Wieviel Einfluss hat die Sportwetten-Mafia auf den Fußball? – Die Situation

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Das Thema Sportwetten-Mafia taucht hin und wieder in den Schlagzeilen auf, verschwindet aber in der Regel genauso schnell wieder. Welchen Einfluss haben die Kriminellen auf den aktuellen Fußball? Dieser Frage sind wir folgend nachgegangen. Fakt ist, auch wenn es in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden ist, die Manipulationen finden nahezu wöchentlich noch immer statt. Für einen Sportwetter ist dies natürlich besonders ärgerlich. Er hat ein Match nach seiner Meinung vor der Tippabgabe genau analysiert, verliert seinen Tipp dann aber doch, da eine Mannschaft nicht Willens ist, ihr Leistungsvermögen abzurufen. Der direkte Betrug richtet sich aber gegen die Buchmacher, welchen die Sportwetten-Mafia das Geld sprichwörtlich aus der Tasche zieht.

Die Fakten zur Sportwetten-Mafia

  • Bundesliga noch nicht betroffen
  • 380 manipulierte Spiele von 2008 bis 2011
  • Freundschaftsspiele sehr oft betroffen
  • Wettpaten sitzen vornehmlich in Asien
  • Frühwarnsysteme helfen nur begrenzt

Der erste richtige Sportwetten-Mafia Skandal in Deutschland

In Deutschland kam das Thema der Sportwetten-Mafia erstmals 2005 so richtig in die Schlagzeilen. Bis dahin hatte man vermutet, dass die Problematik vorwiegend in Italien oder in anderen südlichen Ländern vorhanden ist. Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte mit seinen Entscheidungen mehrere Begegnungen im Auftrag der Mafia wesentlich beeinflusst. Am bekanntesten ist wohl das damalige DFB-Pokal Match zwischen dem SC Paderborn 07 und dem Hamburger SV. Drahtzieher der dunklen Geschäfte war ein gewisser Ante Sapina aus Berlin. Die Zentrale des illegalen Spiels war in der deutschen Hauptstadt angesiedelt. In der Folge des Wettskandals wurden die Hoyzer und Sapina sowie einige Mittäter zu Haftstrafen verurteilt. Auch ehemalige Fußballspieler mussten sich vor Gericht verantworten, allen voran der ehemalige Borusse Steffen Karl.

Ganz nach dem Motto „die Katze lässt das mausen nicht“, hat die Haft bei Sapina aber wenig Eindruck gemacht. Der gebürtige Kroate war auch nach seiner Strafe weiter aktiv im Geschäft. 2011 wurde Sapina zu weiteren fünf Jahren Unterbringung auf Staatskosten verurteilt. Das Urteil wurde nach einigem hin und her 2014 rechtskräftig. Auch Steffen Karl hat seine Bestechungen nicht lassen können. Der ehemalige Profi ließ seine Karriere beim Kreisligisten SV Victoria 03 Einsiedel ausklingen. Vor einem entscheidenden Spiel soll er den Gegner mit mehreren Kästen Bier bestochen haben. Karl, bis dahin Kapitän des Teams, wurde nun selbst aus unterster Fußballebene erneut suspendiert.

Weitere Informationen zu Robert Hoyzer und Ante Sapina lesen Sie hier:

Auch heute wird noch kräftig manipuliert

Auch wenn es schlagzeilentechnisch etwas ruhiger geworden ist. Die Sportwetten-Mafia ist weiter am Ball und mischt in der Fußballszene kräftig mit. Rob Wainwright, Chef von Europol, bestätigte im Jahre 2013, dass seine Behörde Ermittlungen in 15 Ländern führt. Im Zeitraum von 2008 bis 2011 seien insgesamt 380 Spiele manipuliert worden. Involviert seien sowohl Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Vereinsoffizielle.

Es ist anzunehmen, dass die Informationen von Europol nur die Spitze des Eisbergs sind. Vermutlich sind noch weitaus mehr Partien betroffen. Die Sportwetten-Mafia geht in der Regel recht geschickt vor. Nicht jeder Betrug ist tatsächlich erkennbar. Das illegale Geschäft hat sich für Hintermänner zu einem riesigen Business entwickelt. Das Risiko „aufzufliegen“ ist im Gegensatz zum Drogenhandel beispielsweise recht gering.

Die Wetten werden vorwiegend in Asien platziert. In Singapur, auf den Philippinen oder in Macao kann anonym gewettet werden. Jährlich werden in Asien mit Sportwetten über 100 Milliarden Dollar umgesetzt – das ideale Spielfeld für die Sportwetten-Mafia.

Wie geht die Wettmafia vor?

Die Mafia geht beim Anwerben der Akteure sehr geschickt vor. Die Mittelsmänner bauen persönliche Beziehungen zu den Spielern und Offiziellen auf. Dieser Vorgang kann oft Jahre dauern. Erst wenn das gewünschte Vertrauensverhältnis gegeben ist, wird mit den „kriminellen“ Aktivitäten gestartet. In der Regel wird mit kleineren Manipulationen begonnen und sich später gesteigert.

Welche Ligen sind gefährdet?

Die Fußball Bundesliga und auch andere hochklassige Wettbewerbe sind bisher weitestgehend verschont geblieben. In Deutschland, England oder Spanien verdienen die Spieler so viel Geld, dass man sich kaum auf unseriöse Angebote einlässt. Gerade in den unterklassigen, osteuropäischen Ligen hingegen sind die Manipulationen sehr weit verbreitet. Die Akteure sind empfänglich für jeden zusätzlichen Euro.

Auffällig sind in den letzten Jahren die Betrugsversuche bei Freundschaftsspielen. Es ist fast nie nachzuweisen, aus welchem Grund der Trainer beispielsweise nur seine zweite Reihe spielen lässt und wichtige Leader auf der Bank bleiben. Sensationelle „Leistungseinbrüche“ in den Schlussminuten waren ebenfalls hin und wieder zu beobachten, begründet mit der starken vorhergegangenen Trainingsbelastung. Die Topmannschaften sind hiervon nur selten betroffen. Irritierend für die Akteure ist höchstens, dass der Gegner irgendwann das Fußballspielen sinnbildlich einstellt. Etwas übertrieben hat es vor einigen Jahren jedoch der russische Erstligist Rubin Kazan, welcher in einem Testspiel im Trainingslager gleich die komplette Mannschaft eines anderen Zweitligisten unter eigener Flagge auf den Rasen geschickt hat.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Sportwetten-Mafia in niedrigen, finanziell schwachen Ligen einfacheres Spiel hat. Deshalb lohnt es sich dort besonders die Fussball Wett Tipps zu platzieren.

Videodokumentationen zum Thema Betrug im Fußball

Zahlreiche Reportagen beschäftigen sich mittlerweile mit dem Thema Sportwetten-Mafia. Drei interessante Dokumentationen haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Als erstes ein Artikel zum Thema So betrügt die Wett-Mafia den Fußball von 20min.ch. Sehr lesenswert und detailliert erläutert. Zum anderen 2 Videos zu Geschehnissen in den letzten Jahren, wie die Mafia genau vorgeht, welche Frühwarnsysteme es gibt und was gegen die Einflussnahme getan wird.

Video zum Themenabend: Sport, Mafia und Korruption

Was bringen die Frühwarnsysteme?

Die Frühwarnsysteme, welche beispielsweise von der FIFA in Zusammenarbeit mit den Buchmachern eingerichtet wurden, haben in der Praxis recht wenig gebracht. Es kann zwar festgestellt werden, wenn hohe Einsätze auf „seltsame“ Wettquoten erfolgen, doch dies zieht in der Praxis keine Reaktion nach sich. Die Fußballspiele können ja nicht einfach abgesagt werden.

Die Wettanbieter selbst versuchen sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu schützen. Sobald ein Kunde in den Verdacht gerät, dass er einem Wettkartell angehört, kann sein Wettkonto geblockt und die Gelder einbehalten werden. Der Schutz funktioniert zumindest bei den europäischen Buchmachern recht gut. Die Sportwetten-Mafia versucht recht selten die Onlinebookies zu nutzen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass erhebliche Verluste entstehen. Einen sehr interessanten Artikel zum dunklen Geschäft rund um den Fußball gibt’s hier.

Fazit: Die Sportwetten-Mafia lässt nicht locker

Die Sportwetten-Mafia wird sich auch zukünftig nicht aus dem Business zurückziehen. Der Einfluss der kriminellen Geschäftemacher bleibt bestehen. Es ist nicht unmöglich, alle Ligen komplett abzuschotten. Einige Spieler werden immer empfänglich für entsprechende, zusätzliche Geldzahlungen bleiben. Fakt ist aber auch, dass sich die europäischen Buchmacher maximal kleineren Betrügereien gegenübersehen. Die großen Deals werden weiterhin in Asien abgewickelt.

Wettmafia Doku – Millionen durch Sportwetten