Sportbeirat des Glücksspielkollegiums legt Arbeit nieder

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Das Vergabeverfahren der 20 Konzessionen für Wettanbieter ist festgefahren. Da sind sich zahlreiche Brancheninsider sicher. Einzig allein das Glücksspielekollegium selbst kann sich aus dieser Situation befreien. „Selbstverständlich brauchen wir dringend den Sachverstand der Sportverbände, wenn es darum geht, die deutsche Sportwettenregulierung zu verbessern, doch zunächst müssen Politik und Verwaltung einen Weg aus der Sackgasse finden, in der das Lizenzverfahren feststeckt“, ist sich Präsident des Deutschen Sportwettenverband, Mathias Dahms, sicher. Anspielen tut er dabei auf die Tatsache, dass der Sportbeirat seine Arbeit niedergelegt hat, um der Politik ein Zeichen zu setzen.

Sportverbände ziehen die Notbremse

Der Deutsche Sportwettenverband sucht schon seit Monaten das intensive Gespräch mit dem zuständigen Glücksspielkollegium, der Behörde, welche für die Vergabe von 20 Sportwetten-Konzessionen verantwortlich ist. Doch man bekommt niemanden zu fassen, niemand möchte sich ernsthaft die Meinung des DSWV anhören. Um den Dialog zu fördern, hatte der Deutsche Sportwettenverband zuletzt einige Maßnahmen auf eigene Faust getroffen. Geholfen hat dies scheinbar weniger: Die Sportverbände ziehen nun die Notbremse und legen ihre Arbeit als Sportbeirat des Glücksspielkollegiums nieder.

Der Deutsche Sportwettenverband wertet die Entscheidung des Sports als konsequenten Schritt und sieht darin einen weiteren Beleg für die Reformbedürftigkeit der deutschen Sportwettenregulierung. Selbst der Sportbeirat kritisiert, dass bis heute keine einzige Lizenz für Wettanbieter vergeben wurde. Seit mehr als drei Jahren ist der neue Glücksspielvertrag aktiv, laut dem insgesamt 20 Lizenzen vergeben sollten. Doch bereits 2013 hatte der Beirat empfohlen, die Begrenzung auf 20 Konzessionen aufzuheben. Mit dem DSWV ist man sich einig, dass die Beschränkung nicht im Verhältnis zum Angebot steht. Dass auf die Kritik an den offenkundigen Mängeln im Zwischenbericht zur Evaluierung des Staatsvertrages nicht eingegangen wurde, hält der Beirat für eine Brüskierung.

Der Sportbeirat besteht unter anderem aus Vertretern des Deutschen Olypmischen Sportbundes, der Landessportbünde, der Deutschen Sporthilfe, des DFB und der Bundesliga sowie des deutschen Turnerbunds. Er hat die Aufgabe bekommen, das Glücksspielkollegium bei der Entscheidung über die Richtlinien der Glücksspielpolitik zu beraten. Dazu gehört unter anderem auch die Erteilung der Sportwettenlizenzen.

Deutscher Sportwettenverband äußert sich kritisch

DSWV-Präsident Mathias Dahms wird in einer Pressemitteilung zitiert: „Die Entscheidung des Sports ist beachtlich und konsequent, denn die deutsche Sportwettenregulierung ist derzeit ein Konjunkturprogramm für Schwarzmarktanbieter, die Milliarden aus dem deutschen Markt nach Asien und Zentralamerika pumpen und die Integrität des sportlichen Wettbewerbs gefährden. Gleichzeitig ist das Verfahren zur Erteilung von Sportwettenkonzessionen an seriöse Anbieter in Deutschland völlig entgleist. Dessen Ende ist nicht abzusehen.“ Mittlerweile beschäftigen sich mehrere Verwaltungsgerichte mit den Mängeln des Vergabeverfahrens.

„Bisher hat das Regulierungschaos in Deutschland nur Verlierer hervorgebracht: Dem Staat ist jegliche ordnungspolitische Kontrolle über den Markt entglitten, rechtstreue, lizenzierungswillige Sportwettenanbieter stecken seit Jahren in einem Endlosverfahren fest, Verbraucher werden in die Arme von Schwarzmarktanbietern getrieben und der deutsche Sport ist nicht unerheblichen Risiken durch Spielmanipulation ausgesetzt“, führt Dahms aus.