Ladies im Galopp: Diana-Trial

In den USA kann Geschichte geschrieben werden

In der neuen Kolumne von Hoffmanns Horses steht einmal mehr der deutsche Galopprennsport im Fokus. Hauptrennen der Woche ist das Diana-Trial auf der Hauptstadtrennbahn Berlin-Hoppegarten. Der Preis der Diana ist das deutsche Stutenderby. Es handelt sich beim Trial um ein wertvolles und vor allem wichtiges Vorbereitungsrennen. International wird ebenfalls einiges geboten, zum Beispiel die letzte Etappe der Triple Crown in den USA. Justify kann sich in die Geschichtsbücher laufen.

Unser Autor Marco Hoffmann ist ein Experte für den Galopprennsport. Er arbeitet für diverse Medien und hat erst kürzlich den Pressecup beim Frühjahrs-Meeting in Baden-Baden gemeinsam mit einer Partnerin gewonnen. Er gibt auch in dieser Ausgabe von Hoffmanns Horses wieder eine Übersicht über anstehende Ereignisse aus diesem Sport. Marco Hoffmann hat vor wenigen Tagen das Buch „111 Gründe, den Galopprennsport zu lieben“ im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf veröffentlicht.



Ein Rückblick auf das Frühjahrsmeeting in Baden-Baden

Das Frühjahrsmeeting in Baden-Baden bot einige Highlights. Der große kleine Kämpfer Iquitos war der Triumphator im Großen Preis der Badischen Wirtschaft. Mit Walsingham erreichte einer der Außenseiter den zweiten Rang. In der Silbernen Peitsche kam es zum Sieg durch Millowitsch, der nicht überraschte. Anders war das beim zweiten Platz von Schäng. Ich hatte in meiner letzten Kolumne darauf hingewiesen, dass dieser guter Hengst vom Pech verfolgt ist. Das bestätigte sich, denn vor dem Start verlor er zwei Eisen und musste neu beschlagen werden. Im Rennen verlor er ein weiteres. Und der Boden war auch nicht ideal. Im Derby Trial gewann wie erwartet Royal Youmzain. Für mich ist er der Derbysieger, denn ich glaube, dass er weitere Distanzen benötigt oder anders ausgedrückt auf weiteren Wegen noch besser wird. Aber für das Derby eine Prognose zu treffen, ist nie leicht. Die Badener Meile am Donnerstag ging erwartungsgemäß nach England durch Stormy Antarctic.

Galopprennen in Deutschland am Freitag

Bei mir stehen zuerst einmal die Rennen am Freitag in Hannover und Mannheim im Fokus. Hannover bietet bei seiner After-Work-Veranstaltung ab 17.10 Uhr acht Rennen. Im Mittelpunkt steht ein Ausgleich 1 und somit die Bundesliga des Galopprennsports. Mein Tipp ist der im arabischen Besitz stehende Yaa Salaam, der in einer vergleichbaren Aufgabe vier Gegner hinter sich ließ, die er nun wieder trifft. Trotz eines ungünstigeren Gewichts glaube ich an einen weiteren Erfolg. Zweiter war jüngst übrigens Doinyo. Am Start ist auch Boscaccio, der Derbyfavorit von vor zwei Jahren. Im Grunde hat er die Erwartungen nie mehr erfüllt, trotz eines Sieges zum Saisonauftakt. Kurz ein Blick nach Mannheim, wo mich vor allem das Jagdrennen interessiert: Ravens Hill als Dritter aus einem der wichtigsten Jagdrennen in Deutschland ist ein logischer Favorit. Akiyana und Serienlohn als Gäste aus dem Norden sind meiner Meinung nach aber ebenfalls mit Chancen unterwegs.

Sonntag: Diana-Trial in Berlin-Hoppegarten

Das Soldier Hollow-Diana-Trial ist eine wichtige Vorprüfung zum deutschen Stutenderby Preis der Diana. Die Gruppe-II-Prüfung ist mit 70.000 Euro dotiert und wird über die Distanz von 2000 Meter gelaufen. Die letztjährige Siegerin des Trials war Tusked Wings, trainiert von Jean-Pierre Carvalho. Anschließend wurde sie im Preis der Diana Vierte. Der Stall hofft in diesem Jahr auf Well Timed und Good Grace. Erstgenannte ist in dieser Saison unbesiegt und auch die Stute mit der höchsten Marke. Ohne Zweifel sehr talentiert sind Taraja und Felora. Die Festkurse von RaceBets für das Diana-Trial bestätigen tendenziell, dass diese Ladys favorisiert sind. Ich tendiere zu Felora, die aber Revanche an Well Timed nehmen muss. Die Veranstaltung, deren zweites Highlight ein Ausgleich 1 ist, beginnt um 14 Uhr. Am Sonntag sind auch Galopprennen in Krefeld und Rastede.

Bereits am Samstag Rennen auf der Hauptstadtrennbahn

Das Diana-Trial ist fraglos das Highlight aus deutscher Sicht an diesem Wochenende. Doch die Hauptstadtrennbahn veranstaltet einen Doppelrenntag. Los geht es bereits um 10.50 Uhr. Das BBAG Auktionsrennen schließt die Karte ab. Es gibt zwei Kriterien, die eventuell mehr wert sind als die aktuelle Form. Zum einen natürlich die offizielle Marke. Die weist auf Kronprinz. Er hat das Dr.Busch Menorial gewonnen und ist somit Gruppesieger. Aber er trägt auch viel Gewicht. Zwei Stuten tragen hier nur 52 Kilo. Das sind Mademoiselle und Madita. Die eine kam über minimale Ansätze nicht hinaus, die andere gewann ihr bisher einziges großes Rennen. Sie ist mein Tipp. — In Hoppegarten hatte zu Zeiten der DDR Jockey Lutz Pyritz eine große Zeit. In den letzten Jahren war er Trainer in Dresden und ist am vergangenen Freitag im Alter von nur 60 Jahren verstorben.

Pferderennen Finale

Die Derbys in England und Frankreich

Im englischen Derby gab es Samstag eine Überraschung durch Masar. Kaum zu glauben aber wahr, die königlich blauen Rennfarben von Godolphin, die über Jahre den Sport dominierten (und um die es zugegeben etwas ruhiger geworden war) konnten dieses Rennen bisher nie gewinnen. Favorit Saxon Warrior hatte im entscheidenden Moment Pech, als er den Weg versperrt fand. Freitag im Coronation Cup besaß der deutsche Derbysieger von 2017 Windstoß gegen den Crack Cracksman erwartungsgemäß keine Chance, wurde aber toller Dritter. Der lange führende Außenseiter Salouen hätte fast für eine Sensation gesorgt. Er war das Rennen sehr offensiv angegangen. In den Oaks, also dem Stutenderby, triumphierte einmal mehr ein Pferd aus dem Stall von Aidan O‘Brien. Die bis dato sieglos Forever Together, vom Reiter her nicht die erste Wahl, ließ die favorisierte, aus einer deutschen Familie stammende Wild Illusion hinter sich. Das französische Derby gewann der Mitfavorit Study of Man.

Justify vor dem Triple Crown-Sieg?

Der US-Hengst Justify gewann am ersten Mai-Samstag das Kentucky Derby. Zwei Wochen später war er im Nebel von Maryland in den Preakness Stakes auf der Rennbahn Pimlico knapp erfolgreich. Nun stehen in New York, genauer gesagt im Belmont Park, die Belmont Stakes am. Es handelt sich um die dritte Etappe der Triple Crown, die eine herausragende Bedeutung im US-Rennsport hat. Jeder Besitzer eines drei Jahre alten Rennpferdes träumt davon, sie zu gewinnen. Vor American Pharoah im Jahr 2015 hatte Affirmed 1978 diese drei Rennen gewonnen. Die lange Pause deutet an, dass es alles andere als einfach ist, Geschichte zu schreiben. Die große Herausforderung ist, dass alle drei Rennen innerhalb von nur sechs Wochen entschieden werden. Justify scheint mir ein Pferd zu sein, das es schaffen kann. Andererseits war es in Etappe zwei knapp. Die Quote von 18:10 bei RaceBets erscheint mir ordentlich.

Weitere internationale Highlights

Ansonsten geht es im internationalen Galopprennsport in diesen Tagen etwas ruhiger zu. Das liegt auch an den anstehenden Großereignissen am Horizont, zum Beispiel Royal Ascot. In Frankreich steht an diesem Wochenende der Hindernissport im Mittelpunkt. In Auteuil sind am Samstag Rennen. Wenn es um die Gruppeprüfungen geht, empfehle ich einen Blick auf die Gäste. Vor allem auf die aus dem Stall des Startrainers Willie Mullins. Sonntag präsentiert sich in Frankreich ein deutsches Großaufgebot in Wissembourg. Das ist eine der Bahnen, in denen fast mehr deutsche Pferde als Franzosen laufen.

Nächste Woche: Prix de Diane und mehr

In meiner nächsten Kolumne Hoffmanns Horses wird im internationalen Galopprennsport der Prix de Diane im Fokus stehen. Das Stutenderby hat meinem Gefühl nach in Frankreich fast eine größere Bedeutung als das Derby Prix du Jockey Club. Wie angedeutet beginnt bald danach, nämlich am 29.Juni, Royal Ascot mit unfassbarem Spitzensport. In Deutschland sind Veranstaltungen in Dresden und Hannover am Samstag sowie in Köln am Sontag. Die wichtigste Vorprüfung für das Deutsche Derby steht an, das Union Rennen.


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