Jubiläumsrenntag in Mannheim

Große Highlights national und international

Es wird vielleicht verwundern, dass ich in dieser Ausgabe von Hoffmanns Horses den Jubiläumsrenntag in Mannheim in den Fokus stelle. Am kommenden Wochenende und auch am 1.Mai gibt es in Deutschland Veranstaltungen mit größeren Rennen. Doch ich will zeigen, dass auch in der vermeintlichen Provinz toller Galopprennsport geboten wird. International möchte ich auf das seit Dienstag laufende Punchestown Festival in Irland hinweisen und auf den Champions Day in Hongkong. Es ist also weltweit einiges los.

Unser Autor Marco Hoffmann ist seit Kindesbeinen dem Galopprennsport verbunden. Er verfolgt an jedem Tag der Woche wichtige Pferderennen auf der ganzen Welt und stellt in seiner wöchentlich erscheinenden Kolumne Hoffmanns Horses wichtige Rennen von allen Kontinenten vor. Der Blick geht in dieser Ausgabe nach Deutschland, nach Irland, Frankreich und Hongkong. Was wir nicht verschweigen wollen: Im Mai erscheint das von ihm verfasste Buch „111 Gründe den Galopprennsport zu lieben“ im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf.



Deutschland: Rückblick und Vorschau

Diese Kolumne möchte ich mit einem Rückblick beginnen. Das Dr. Busch Memorial in Krefeld gewann am vergangenen Sonntag überraschend ein Pferd, das nicht viele Wetter auf dem Zettel hatten. Kronprinz wird zwar von Peter Schiergen trainiert, einem der erfolgreichsten deutschen Trainer. Doch er hat keine Nennungen für bessere Rennen, was meist nicht von den ganz großen Hoffnungen zeugt. Weltstar war hinter ihm Zweiter. Er lief gut und wie ein Pferd, das sich weiter verbessern wird. Der ebenfalls hoch eingestufte Wild Max war durch eine am Start erlittene Verletzung behindert. In Berlin-Hoppegarten waren in den Highlights am Samstag und am Sonntag Sound Check (Peter Schiergen) und Devastar (Markus Klug) die Sieger. Der letztjährige Derbyzweite Enjoy Vijay sorgte nicht gerade für den großen Wettgenuss, denn er enttäuschte sehr. So ist es halt manchmal in diesem Sport.

Am Wochenende: Düsseldorf und zweimal Magdeburg

Die Henkel Europa Meile in Düsseldorf ist das Highlight am Sonntag in Deutschland. Es handelt sich um eine Revanche für ein vergleichbares Rennen vor drei Wochen. Damals gewann Wonnemond vor Millowitsch. Ich wäre nicht überrascht, wenn es diesmal andersrum ausgehen würde. Dem jüngst noch chancenlosen Degas billige ich ebenfalls Chancen zu. Manche Pferde sind beim ersten Start in die Saison noch nicht auf 100 %. Das kann natürlich auch für Cashman gelten. Der ist wie Fulminato meiner Meinung nach ein interessanter Außenseiter, der den Favoriten ein Schnippchen schlagen kann. Ob die aus Frankreich nachgenannte Qualisaga hier bestehen kann – ich bezweifle es. Nicht verschweigen möchte ich, dass es am Freitag und am Samstag einen Doppelrenntag in Magdeburg gibt.

Am Sonntag: Jubiläumsrenntag in Mannheim

Nun zu Mannheim. Seit 150 Jahren gibt es Pferderennen in dieser Stadt. Die Jubiläumsfeierlichkeiten finden zwar die ganze Saison hindurch statt. Doch an diesem Sonntag ist eine besondere Veranstaltung. Highlight ist die Große Badenia, ein Jagdrennen. Hindernisrennen gibt es viel zu wenige in Deutschland. Mannheim bildet zum Glück eine Ausnahme. Falconettei aus dem Stall von Pavel Vovcenko ist mein Favorit. Er hat in der Generalprobe Ende März ungemein imponiert. Es gibt aber starke Konkurrenz: Besonders der früher in Italien gelaufene Collar An Tie und Northerly Wind aus Tschechien erscheinen stark. Insgesamt werden acht Rennen bei dieser Veranstaltung gestaltet. Am zweitwichtigsten ist ein Ausgleich 2: Ich tippe auf Gen Chi, eine Trainingsgefährtin des erwähnten Falconettei. Allgemein lässt sich feststellen: Mannheim ist ein Beispiel dafür, dass in der vermeintlichen Provinz bei guter Arbeit viel möglich ist.

Die deutschen Rennen am 1. Mai

Da vor dem 1. Mai keine weitere Kolumne von mir erscheint, möchte ich auf die deutschen Rennen an diesem Tag hinweisen. Mit Düsseldorf und Mannheim ist an diesem Wochenende also nicht Schluss. Das Bavarian Classic ist in München beim dortigen Saisonauftakt eine Derbyvorprüfung und somit das Highlight. Am Start sein werden unter anderem der angeblich größte Hoffnungsträger von Andreas Wöhler für das Deutsche Derby Royal Youmzain. Auch Jimmu und Starmax gelten an ihren Quartieren als Derbypferde. In Hannover stehen zwei mit 25.000 Euro dotierte Listenrennen im Mittelpunkt. Man merkt immer wieder, dass der Rennvereinspräsident Gregor Baum Züchter ist. In dem einen ist Peace in Motion eine logische Favoritin. Leipzig hat eine Veranstaltung, die jedes Jahr von deutlich über 10.000 Menschen frequentiert wird, obwohl der Sport mit dem auf den zuvor genannten Bahnen mithalten kann.

Pferderennen Finale

Am Sonntag: Champions Day in Hongkong

Es gibt zwar regelmäßig Renntage in Hongkong, nämlich fast wöchentlich. Doch nur wenige sind international bedeutend. Zu diesen gehört der Champions Day an diesem Sonntag. Die Champions Mile, der Sprint Prize und The Audemars Piguet QE II Cup stehen an, allesamt Millionenrennen. Die internationale Beteiligung ist überraschend übersichtlich. Aus deutscher Sicht interessiert der Start von Pakistan Star in der letztgenannten Prüfung. Dieser ist deutsch gezüchtet, jedoch ein schwieriger Charakter. Sogar ein Pferdeflüsterer war bereits am Werk. Seitdem lässt der Wallach sich wieder trainieren. Er ging beim letzten Start sogar problemlos in die Startmaschine. Aber wenn das Rennen losgeht, scheint er sich immer zu sträuben. Umso verwunderlicher, wie schnell er kurz vor dem Ziel werden kann. Zuletzt war er auf höchstem Level platziert.

Um 600.000 Euro: Prix Ganay in Parislongchamp

Vielleicht verwundert es etwas, dass ich den Renntag in Mannheim in den Mittelpunkt dieser Kolumne gestellt habe, wo doch ein großer Renntag in Hongkong ist. Es verwundert vielleicht noch mehr, wenn es nun um den Prix Ganay geht, der am Sonntag entschieden wird und mit 600.000 Euro dotiert ist. Dieses Highlight wird am offiziellen Eröffnungstag der renovierten Rennbahn Parislongchamp im Mittelpunkt stehen, die seit einigen Wochen wieder im Betrieb ist. Gefeiert wird nun mit viel Pomp und Ehrengästen. Dazu gehören auch vierbeinige Stars. Mit Cracksman gibt sich ein Crack aus England die Ehre. Der zuletzt in Dubai auf höchstem Level platziert gelaufene größte französische Hoffnungsträger Cloth Of Stars ist vermutlich sein stärkster Konkurrent. Deutschland ist vertreten durch Wild Chief aus dem Stall von Jens Hirschberger. Es würde mich überraschen, wenn er vorne dabei wäre.

Ein kurzer Blick auf das Punchestown Festival

Auch wenn das Punchestown Festival bereits läuft, wenn ich diese Kolumne einstelle, möchte ich es nicht verschweigen. Ich konzentriere mich auf die letzten beiden Tage beim irischen Pendant zum Cheltenham Festival. Eines der Highlights am Freitag ist das Champion Hurdle um 18.30 Uhr deutscher Zeit. Mit Samcro läuft ein absoluter Superstar, der keines seiner sieben Rennen verlor. Sein Vater Germany wurde in den 90er Jahren in Deutschland trainiert. Letztes großes Highlight ist am Samstag das AES Champion Four Year Old Hurdle. Farclas gewann bereits in Cheltenham. Es wird allseits der Doppeltreffer erwartet. Dienstag präsentierten sich in Irland Stars wie Douvan und Un De Sceaux – letztgenannter gewann etwas überraschend. In der Champion Chase am Mittwoch war Bellshill erfolgreich. Einmal mehr dominierte Trainer Willie Mullins. Das sollte jeder Wetter im Hinterkopf haben bei den noch ausstehenden Veranstaltungen. – Dies hat alles natürlich mehr Niveau als in dem im Abschnitt über Mannheim erwähnten Jagdrennen.

Nächste Woche: Kentucky Derby und die Klassiker in England

In meiner nächsten Kolumne Hoffmanns Horses ist das Kentucky Derby ein Thema. Es wird am 4. Mai in Louisville (USA) entschieden. Gibt es einen europäischen Sieg? Die Chancen stehen gut: Mendelssohn, trainiert vom Iren Aidan O’Brien, imponierte zuletzt in Dubai. Das ist längst noch nicht alles, auf das sich Rennsportfreunde freuen können. In Newmarket stehen die englischen Klassiker 1000 Guineas und 2000 Guineas an. In Deutschland sind Veranstaltungen am Samstag, 5. Mai (in Dresden) und am Sonntag in Köln. Im Gerling Preis könnten der Derbysieger Windstoß und der deutsche Galopper des Jahres Dschingis Secret antreten. Parallel sind auch Rennen in Karlsruhe, die aber bei mir keine Rolle spielen werden.


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