Europäischer Sieg im Kentucky Derby?

In Köln: Derbysieger gegen Galopper des Jahres

Highlight reiht sich an Highlight am kommenden Wochenende. Aus nationaler Sicht interessiert der Gerling Preis in Köln mit dem Aufeinandertreffen des Galoppers des Jahres Dschingis Secret gegen Windstoß, dem aktuellen Derbysieger. Beide werden von Markus Klug aufgeboten. International steht nicht nur das Kentucky Derby im Mittelpunkt, in dem es einen europäischen Sieg geben könnte. In England werden an diesem Wochenende die 1000 Guineas und die 2000 Guineas entschieden. Das sind die ersten Klassiker der Saison.

Unser Autor Marco Hoffmann ist ein Experte für den Galopprennsport. Diesem ist er seit Kindesbeinen an verbunden. Für seine Vorliebe gibt es viele Gründe. Eine größere Anzahl macht er in diesen Tagen öffentlich: Es erscheint im Mai nämlich das Buch „111 Gründe den Galopprennsport zu lieben“ im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf. In dieser Ausgabe von Hoffmanns Horses beschäftigt sich der Autor wie gewohnt mit nationalen sowie internationalen Highlights aus dem Rennsport und gibt einige Wetttipps.



Der Gerling-Preis am Sonntag

Bevor ich zum Kentucky Derby komme, beschäftigte ich mich mit den deutschen Galopprennen. Nachdem unter der Woche am 1. Mai einiges los war (ein kurzer Rückblick folgt), ist es an diesem Wochenende zwar etwas ruhiger. Doch das mit 70.000 Euro dotierte Gruppe 2-Rennen Gerling Preis in Köln ist ein faszinierendes Highlight. Unter den Startern befinden sich der aktuelle Galopper des Jahres Dschingis Secret, der letztjährige Derbysieger Windstoß und Colomano, der Derbyfavorit aus dem letzten Sommer. Alle drei werden von Championtrainer Markus Klug trainiert. Stalljockey Adrie de Vries hatte die Wahl und diese fiel auf Dschingis Secret. Windstoß ist somit wieder seinem Derbysiegreiter Maxim Pecheur anvertraut. Er wird mein Tipp, schon wegen der Quote. Bei RaceBets gibt es bereits Festkurse. Vom Rest traue ich am ehesten Oriental Eagle eine Überraschung zu, da er die Gegner aus den Hufen galoppieren kann.

Saisonstart in Dresden

Am Samstag öffnet Dresden die Tore zur Saison 2018. Auch wenn die Bahn etwas abseits liegt, hat sie sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Mit Stefan Richter und Claudia Barsig arbeiten zwei bundesweit erfolgreiche Trainer vor Ort, die gelegentlich sogar in größeren Rennen mitmischen. Wichtigstes Rennen bei der ersten Saisonveranstaltung ist eine Prüfung für Dreijährige. Von der bei 5.100 Euro liegenden Dotierung her ist es kein besonderes Rennen. Doch Starter wie Arcado, Chimney Rock (zwei aktuelle Sieger), Ballydoyle und der als großer Hoffnungsträger geltende Balmain besitzen Nennungen für das Deutsche Derby. Los geht es bereits um 11.35 Uhr. – Es ist die mittlerweile typische Kooperation mit der PMU in Frankreich.

Ein Rückblick auf das letzte Wochenende

In der Europa Meile am vergangenen Sonntag in Düsseldorf gab es den erwarteten Sieg von Wonnemond. Der musste durchaus kämpfen gegen den wie von mir erwartet gesteigert laufenden Degas. Millowitsch wurde, wenn ich mich nicht täusche, die Distanz ein wenig zu lang. Er ist in der Vergangenheit häufig auf kürzeren Strecken unterwegs. Vor ihm auf dem dritten Platz landete Fulminato. Das Große Badenia Jagdrennen in Mannheim konnte Northerly Wind für sich entscheiden, ein Gast aus Tschechien. Das war für die deutschen Starter eine kleine Enttäuschung. Es muss sich nach jeder Logik auf Dauer negativ auswirken, wenn die deutschen Rennvereine diese bei den Zuschauern beliebte Sparte des Sports nicht fördern. Dass in deutschen Rennställen weiterhin gesprungen wird, zeigen die Starteranzahlen in den Hindernisrennen unter der Woche in Wissembourg und Nancy (Frankreich).

Ein Rückblick auf den 1. Mai

Am Tag der Arbeit musste im deutschen Galopprennsport (und übrigens nebenbei bemerkt auch bei den Trabern) fleißig gearbeitet werden. Die Ergebnisse der Highlights möchte ich nicht verschweigen, auch wenn diese nicht das Kaliber beispielsweise des Kentucky Derby haben. Am 1. Mai gewannen in Hannover am dortigen, bestens besuchten Renntag von Hannover 96 die von Markus Klug trainierten Stuten Fosun und Diaphora zu bemerkenswert hohen Quoten die Highlights. Die Favoritinnen wurden jeweils Zweite. In München war im Bavaria Preis, einer wichtigen Derby-Vorprüfung, Royal Youmzain erfolgreich. Der Stil beeindruckte, denn der Hengst schoss auf für ihn sichtlich zu kurzer Distanz durch das Feld. Er ist mein Derbyfavorit. Brechend voll war die Bahn wie jedes Jahr am 1. Mai in Leipzig mit 20.000 Menschen. Es ist wirklich seltsam, dass die Leute an bestimmten Terminen eine Rennbahn bevölkern – und im Rest des Jahres sind die Zuschauerzahlen geringer.

Pferderennen Finale

Das Kentucky Derby

Nun komme ich zum Kentucky Derby, das mit zwei Million Dollar dotiert ist. Deutsch gezüchtete Pferde haben gesiegt (Animal Kingdom im Jahr 2011 hatte eine deutsche Mutter), aber keine in Europa trainierten Pferde. Für Mendelssohn (RaceBets-Festkurs 55:10) spricht einiges. Beispielsweise sein Preis von drei Millionen US-Dollar. Der muss zugegeben nichts bedeuten, wie die rennsportliche Historie belegt. Doch seine Siege im Breeders‘ Cup in den USA und Ende März in Dubai beeindruckten. Den geforderten Sanduntergrund kann er. Jockey Ryan Moore will Geschichte schreiben. Er hätte an diesem Wochenende in England große Rennen gewinnen können. Der „Run For The Roses“ wird jährlich vor 80.000 Menschen in Louisville Kentucky auf der Rennbahn Churchill Downs entschieden. Als stärkster Amerikaner gilt der bei drei Starts unbesiegte Justify (RaceBets Quote 40:10), der als Monster bezeichnet wird. Audible wurde in New York gezüchtet – erst ein New Yorker gewann das Kentucky Derby in der seit 1875 bestehenden Historie.

1000 Guineas und 2000 Guineas: Englische Klassiker

Klassische Rennen sind Rennen, die Pferde nur ein einziges Mal, nämlich im Alter von drei Jahren bestreiten dürfen. Es gibt sie in jedem Land mit einem gewissen rennsportlichen Niveau. Die bedeutendste dieser klassischen Prüfungen ist das Derby. Ein Begriff, den man auch außerhalb dieses Sports kennt. Der Reigen beginnt aber mit den 1000 Guineas und mit den 2000 Guineas. Das eine Rennen ist für die Stuten, das andere für die Hengste. In Newmarket wird das Hengste-Rennen am Samstag entschieden und das Stuten-Pendant Sonntag. Als Favoriten gelten Gustav Klimt und Saxone Warrior beziehungsweise Happily. Trainer ist jeweils der bereits im Abschnitt für das Kentucky Derby genannte Ire Aidan O’Brien. Der ist mit seinen Pferden stets zu beachten. Gewöhnlich bietet er mehrere auf. Jockey Ryan Moore reitet wie gesagt in Amerika. Er hätte sonst auf den jeweils chancenreichsten Kandidaten gesessen.

Das internationale Geschehen der letzten Woche

Auch wenn der deutsche Rennsport und das Kentucky Derby im Mittelpunkt stehen, möchte ich den internationalen Rückblick nicht vergessen. In Punchestown gab es einige überraschende Ergebnisse. Viele Wetter hatten Pech, als der bis dato unbesiegte Samcro zu Fall gebracht wurde. Oder ist er von alleine gestürzt? Ich habe zwei Rennen gesehen, in denen vermeintliche Sieger von anderen Pferden von der Bahn gedrängt wurden. Und ich sah tolle Siege durch Faugheen, Footpad und dem von einem deutschen Vater stammenden Saldier.
Am letzten Sonntag hatte der deutsch gezüchtete Pakistan Star ausnahmsweise einmal Lust und gewann überlegen das Millionenrennen QE II Cup in Hongkong. Diesmal galoppierte er im Feld und konnte in der Zielgeraden toll beschleunigen. Im Prix Ganay siegte der Favorit Cracksman ganz wie erwartet. Und doch zeigte sich, dass in diesem Sport nicht immer alles läuft wie erwartet: Platz zwei belegte der Pacemaker Wren’s Day.

Nächste Woche: Himmelfahrt-Rennen und französische Klassiker

In meiner nächsten Kolumne Hoffmanns Horses stehen international wieder einige Highlights im Blickpunkt, die es mit dem Kentucky Derby und den 1000 Guineas sowie den 2000 Guineas aufnehmen können. Besonders letzteres entspricht den Tatsachen, denn diese Klassiker stehen Frankreich, genauer gesagt in Parislongchamp auf dem Programm. In Deutschland geht es eine Spur ruhiger zu. Zunächst gibt es Rennen an Himmelfahrt in Dortmund, Hassloch und Magdeburg. Am Sonntag folgt Krefeld und zwei Tage danach – also am Dienstag – Mülheim an der Ruhr.


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Pferderennen Kolumne

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