Derbytickets im Union-Rennen

Prix de Diane – Die Suche nach der Stutenkönigin

In der aktuellen Kolumne von Hoffmanns Horses steht einmal mehr der deutsche Galopprennsport im Fokus. In Köln wird im Union-Rennen, das bereits zu Goethes Zeiten entschieden wurde, eigentlich der Derbyfavorit gesucht. Doch den gibt es schon mit Royal Youmzain aus dem Stall von Andreas Wöhler. Dieses Jahr geht es also um den größten Herausforderer. Ebenfalls am Sonntag wird in Chantilly im Prix de Diane die französische Stutenkönigin gekrönt.

Unser Autor Marco Hoffmann ist ein Experte für den Galopprennsport. Er arbeitet für diverse Publikationen und hat erst kürzlich den Pressecup beim Frühjahrs-Meeting in Baden-Baden gemeinsam mit einer Partnerin gewonnen. Abermals gibt es in dieser Ausgabe von Hoffmanns Horses eine Übersicht über anstehende Ereignisse aus diesem Sport. Nicht verschweigen wollen wir, dass Marco Hoffmann kürzlich das Buch „111 Gründe, den Galopprennsport zu lieben“ im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf veröffentlicht hat.



Die wichtigste Derbyvorprüfung: Das Union-Rennen

Traditionell ist das Union-Rennen die wichtigste Vorprüfung für das in diesem Jahr am zweiten Julisonntag in Hamburg anstehende Deutsche Derby. Es wird in Köln entschieden und hat eine Tradition seit Goethes Zeiten. Somit ist es älter als das Derby. Natürlich laufen nur drei Jahre alte Pferde. Man spricht nicht ohne Grund vom Derbyjahrgang. Diese spezielle Prüfung ist ein wenig mit Vorsicht zu genießen. Wenn ein Trainer die Wahl hat, ob sein Pferd das Union-Rennen gewinnt oder das Derby, nimmt er das Derby, ist ja klar. Nachgenannt für 7.000 Euro wurde der kürzlich für sicherlich eine nicht geringe Summe verkaufte Ballydoyle. Ein talentiertes Pferd, aber für mich kein zwingender Sieger. Besser gefielen die letzten Leistungen von Jimmu und Emerald Master. Mein Tipp ist aber Weltstar. Der Bruder des letztjährigen Derbysiegers Windstoß läuft nun endlich auf passender Distanz. Er ist die Wahl von Stalljockey Adrie de Vries aus einem vierköpfigen Angebot.

Royal Youmzain der große Derbyfavorit

Von den Startern von Andreas Wöhler im Union-Rennen scheint Magic Pivotal die Nummer eins zu sein. Aber der Sieger, vor allem im Derby, ist er nicht. Wenn man sich den Langzeitmarkt von RaceBets für das Deutsche Derby betrachtet, ist klar und eindeutig, dass es nur einen Sieger in Hamburg geben kann: Royal Youmzain, im Besitz von Jaber Abdullah und von Andreas Wöhler trainiert. Er imponierte mir sowohl bei seinem Sieg im Bavarian Classic (vor dem vermeintlichen Union-Favoriten Jimmu) und in Baden-Baden. Für Eduardo Pedroza ist er eine absolut realistische Chance auf einen Erfolg im wichtigsten deutschen Galopprennen. Lange ist es nicht mehr hin bis zum 8. Juli. Gefallen hat mir bei seinem überraschenden Sieg im Derby Trial in Hannover Balmain. Der ist verletzt, fällt für die Union aus. Abwarten, was mit Hamburg ist. Allgemein fällt mir auf, dass es immer weniger Derbyvorprüfungen gibt.

Samstag: Hannover und Dresden

In Hannover stehen am Samstag neun Rennen auf dem Programm. Highlights sind zwei Stuten-Listenprüfungen. Man merkt, dass Rennvereinspräsident Gregor Baum Züchter ist. Prima Violetta steht nach zwei Platzierungen vor einem Treffer. Sie ist im Großen Preis der Wohnungswirtschaft die logische Favoritin. Im Großen Preis der Sparkasse Hannover treffen ältere Ladies auf die Dreijährigen. Die haben es normalerweise noch schwer. Oder sie sind sehr talentiert, wenn sie in dieser Klasse bestehen können. Das kann ich mir vorstellen bei Emerita und Queens Harbour. Sonderlich überzeugend waren die Leistungen der älteren Damen objektiv betrachtet nämlich nicht. Auch wenn sie vom Reiter her und von der offiziellen Einschätzung nicht die Nummer eins aus dem doppelten Aufgebot Ihres Stalles ist, gefiel mir die letzte Leistung von Clear For Take Off. In Dresden steht ein wertvolles, genauer gesagt mit 52.000 € dotiertes Auktionsrennen für die Sprinter im Mittelpunkt. Klarer Favorit nach Bestform ist Julio.

Rückblick auf das Diana-Trial

Das Diana-Trial am vergangenen Sonntag in Berlin-Hoppegarten gewann Well Timed. Sie ist nun die Favoritin für das deutsche Stuten-Derby Preis der Diana. Die von Jean-Pierre Carvalho trainierte und von Filip Minarik gerittene Lady bestätigte ihre Favoritenrolle eindeutig. Platz zwei belegte Taraja, die abermals einen guten Eindruck auf mich machte, aber wohl etwas zu früh an der Spitze war. Mit viel Speed kam Chesmeh am Ende auf Platz drei. Hier hatte es einen kurzfristigen Wechsel im Sattel gegeben. Ein einstiger Profi und aktuelle Amateur (Marc Timpelan) sprang für einen Kollegen ein. Und ritt erstmals seit Jahren wieder auf hohem Niveau. Es hat übrigens stark geregnet. Für einige der Stuten soll das nicht ideal gewesen sein. Das Auktionsrennen am Samstag gewann Kronprinz trotz seines hohen Gewichts. Er scheint ein wirklich gutes Pferd zu sein.

Pferderennen Finale

Stutenkönigin im Prix de Diane gesucht

Ich habe seit Jahren das Gefühl, als wenn den Franzosen ihr Prix de Diane wichtiger ist als der Prix du Jockey Club. Das eine ist das Stutenderby und wird an diesem Sonntag in Chantilly entschieden. Das andere Rennen ist das französische Derby. Es fand vor zwei Wochen statt. Angeblich waren 7.000 Zuschauer auf der Bahn. Einen Tag später an einem After-Work-Renntag ohne Highlights in München waren es 10.000. Im Prix de Diane heißt es: Sehen und gesehen werden. With You und die Engländerin Laurens werden laut den RaceBets-Festkursen favorisiert. Nie unterschätzt werden dürfen die Starterin von Aidan O’Brien aus Irland in dieser mit einer Million Euro dotierten Prüfung.

In Strömsholm wird Samstag gesprungen

International ist abseits des Prix de Diane alles etwas ruhiger in diesen Tagen. Das liegt an Royal Ascot. Auf dieses Meeting gehe ich zum Abschluss dieser Kolumne ein. Es wird bei Hoffmanns Horses selten vorkommen, da ich halt doch auf die Galopper und weniger auf die Trabrennen fokussiert bin. Doch an diesem Samstag empfehle ich ein Rennen um 13:10 Uhr in Schweden. Dort steht auf der Bahn von Strömsholm großer Hindernissport an. Im einleitenden Champion Hurdle startet der von Pavel Vovcenko in Bremen trainierte Rosenkönig. Er wird meines Erachtens nicht ohne Grund auf die weite Reise gehen.

Ein neuer Triple-Crown-Sieger in den USA

Justify gewann nach deutscher Zeit gegen 0:50 Uhr am vergangenen Sonntag in New York auf der dortigen Bahn im Belmont Park die Triple Crown. Ich war im Vorfeld etwas skeptisch. So viele tolle Pferde sind im letzten Lauf gescheitert. Der weiterhin unbesiegte Hengst ließ an der Spitze nichts anbrennen und die Gegner im Grunde nie wirklich an sich heran. Er hat sich in die Geschichtsbücher eingetragen. Wenn meine Informationen stimmen, ist seine zukünftige Karriere bereits beschlossen. Für eine hohe Millionensumme wechselte er den Besitzer und wird Deckhengst. Übrigens: Einen Sieg auf höchstem Level gab es am Samstag im Rahmen dieser Veranstaltung für die deutsche Zucht Es handelte sich um die Stute A Raving Beauty. Wer weiß, vielleicht wird sie ja eine Partnerin von Justify.

Nächste Woche: Royal Ascot

In meiner nächsten Kolumne Hoffmanns Horses steht aus internationaler Sicht das am Dienstag, dem 29. Juli beginnende Meeting Royal Ascot im Mittelpunkt. Es ist das Galoppsportmeeting, auf das auch diese fürchterlichen Boulevard-Blättchen aufmerksam werden. Die Queen kommt mit ihrer Familie auf die Rennbahn. Hüte werden getragen, Zylinder, Fräcke – die ganzen Klischees halt. Aber es gibt auch tollen Sport mit vielen Spitzenpferden. In Deutschland sind Rennen in München und Magdeburg am Samstag. Und in Dortmund am Sonntag. Und dann steht die Derbywoche in Hamburg am Horizont.


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