Bakery Jatta - machte er falsche Angaben?

Bakery Jatta spielt seit 2016 beim Hamburger SV. Sein Name ist bekannt, Jatta sorgte für Schlagzeilen. Denn der Fußballprofi ist ein ehemaliger Flüchtling aus Gambia, der sich in die Bundesliga hocharbeitete. Doch jetzt kommen Zweifel an Jattas Lebenslauf auf.

Bakery Jatta hat eventuell falsche Angaben gemacht.

Bakery Jatta ist ein gambischer Fußballspieler. Er kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Seit Juli 2016 steht er beim Hamburger SV unter Vertrag. Doch wer ist der Mittelfeldspieler Bakery Jatta wirklich? Gerüchten und Medienberichten zufolge soll sein richtiger Name Bakary Daffeh sein. In den letzten Jahren hätte er unter falscher Identität gespielt. Auch sei das Alter des Mittelfeldspielers vom Hamburger SV nicht 21, sondern 23 Jahre. Was ist los? Hat Jatta gelogen?

Eigenen Angaben zufolge kam der Fußballer, der ohne Eltern aufwuchs, aus Gambia und durchquerte die Sahara und anschließend das Mittelmeer bis er nach Deutschland kam. Dort wurde er in Bothel, unweit von Bremen aufgenommen. Bei einem Probetraining von Weder Bremen wurde die Bundesliga auf ihn aufmerksam. Ein Jahr später trainierte er bereits beim HSV. Er durfte aber nicht verpflichtet werden, da er noch minderjährig war. Eine Woche nach seinem 18. Geburtstag erhielt er beim Hamburger SV einen Dreijahresvertrag und somit auch eine Aufenthaltsgenehmigung. Schon damals gab es Zweifel über Jattas Alter. Diese wurden aber vom Universitätsklinikum Hamburg, welches den Fußballer untersuchte, ausgeräumt.

Falsche Angabe, um bleiben zu dürfen?

Jatta hatte sich möglicherweise aufgrund falscher Aussagen Vorteile bei dem Asylverfahren in Deutschland verschaffen. Als minderjähriger Flüchtling hat man demnach bessere Chancen, bleiben zu dürfen. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellte Jatta keinen Asylantrag. Sollte er tatsächlich über sein Alter sowie seine Identität geschwindelt haben, so tat er das nicht, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen oder einen offiziellen Flüchtlingsstatus zu erhalten. Denn der Gambier besitzt derzeit keinen Flüchtlingsschutz oder eine Asylberechtigung. Ob die angegebene Minderjährigkeit nach seiner Einreise aber eine Rolle für seine Fußballkarriere gespielt hatte oder er dadurch andere Vorteile erhielt, ist unklar. Durch den Dreijahresvertrag beim HSV erhielt der Mittelfeldspieler eine Aufenthaltserlaubnis von drei Jahren. Diese wurde vor kurzem um weitere drei Jahre verlängert.

Fall wird jetzt geprüft

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte wird den Fall Jatta jetzt intensiv prüfen und den Hinweisen der Journalisten nachgehen. Laut der Behörde wurden Indizien gesammelt, die angeblich nachweisen, dass Bakery Jatta in seiner Heimat Gambia unter dem Namen Daffeh für mehrere Klubs und sowie die U20-Nationalmannschaft gespielt habe. Bei seiner Präsentation beim Hamburger SV sagte der Afrikaner: „Ich habe in meiner Heimat in keinem Verein gespielt, das war nicht möglich.“ Wenn die Anschuldigen wahr sind, könnte das für den afrikanischen Fußballer Konsequenzen haben. Welche das wären, lässt sich aber noch nicht sagen. Sein Verbleib in Deutschland hängt derzeit nicht nur vom Hamburger SV ab. Sollte sich herausstellen, dass Jatta gelogen und falsche Angaben gemacht habe, könnten die Behörden ein Rücknahmeverfahren durchführen und ihm im schlimmsten Fall die Aufenthaltsgenehmigung entziehen.

HSV verteidigt Jatta

Jattas Sportberater, Efe-Firat Aktas, hat sich der Presse gegenüber bereits geäußert und sagte: „Jatta hat einen gültigen Pass, dieser wurde mehrfach kontrolliert und überprüft. Alles andere spielt für uns keine Rolle.“ Auch der Vorstandschef des HSV, Bernd Hoffmann gab ein Statement ab: „Für Bakery Jatta liegt ein gültiger Reisepass sowie eine Aufenthaltsgenehmigung vor. Jatta ist ein tadelloser Fußballer und toller Teamkollege. Er hat sich verlässlich gezeigt und sich sofort bei uns in den Klub integriert. Wir schätzen Jatta als Mensch und Spieler.“ Der HSV wusste schon von den Recherchen und sprach bereits mit dem Gambier. Jatta hält weiterhin an seinen Aussagen fest, dass er als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen sei und zuvor keinen Profifußball gespielt habe.

Leider haben die Recherchen und vorliegenden Indizien die Aufmerksamkeit des DFB erreicht. Dieser will sich im Kontrollausschuss dem Thema annehmen und den Sachverhalt untersuchen. Das erklärte Anton Nachreiner, der Gremiumsvorsitzender ist, der Presse. Am gestrigen Abend teilte der DFB zudem mit, dass der 1. FC Nürnberg fristgerecht Einspruch gegen den 4:0-Sieg des Hamburger SV eingelegt habe, weil Bakery Jattas Spielerlaubnis aufgrund der eventuellen Identitätsfälschung unwirksam sei. Die Begegnung fand am Montag statt. Das DFB-Sportgericht befasst sich derzeit mit dem Einspruch.