Buchmann ist Top bei der Tour de France

Der Deutsche Emanuel Buchmann ist bei der Tour de France plötzlich ein Spitzenreiter. So gut platziert war schon lange kein deutscher Rennradfahrer mehr. Der 26-jährige hat die Spitzenposition ganz still und heimlich anvisiert. Ohne große Worte. Jetzt ist er in der Gesamtwertung auf dem fünften Platz.

Emanuel Buchmann befindet sich aktuell auf Platz 5.

Emanuel Buchmann ist ein deutscher Rennradprofi, der vor der Tour de France nicht zu den Favoriten gehörte. Jetzt befindet sich zurückhaltende und schüchterne 26-jährige plötzlich unter den besten fünf Fahrern. Der Leisetreter, wie Buchmann von der Presse genannt wird, hat anstatt Worten einfach mal Taten sprechen lassen, und sich ohne viel Aufsehen im Gesamtklassement immer weiter nach vorne gearbeitet. Die Radsportszene ist überrascht. Denn bisher hat Buchmann nicht einmal eine Etappe gewonnen. Auch spektakuläre Ausreißversuche waren von ihm nicht zu sehen. Selbst bei den Zielsprints nimmt sich der 26-jährige zurück. Wie hat er das geschafft? Buchmann ist einfach präsent, wenn es darauf ankommt.

Buchmann ist immer zur Stelle

Bei der Etappe am Montag mussten die Rennradprofis mit starkem Wind kämpfen. Auf dem Weg nach Albi verloren die Favoriten dadurch wertvolle Zeit. Jakob Fuglsang und Riche Porte konnten ihren Vorsprung nicht ausdehnen. Aber Buchmann schon. Er war aufmerksam und immer vorne im Feld. Bei der Bergprüfung zeigte Buchmann seine Kletterqualitäten und seine cleveren Taktiken. Er hängte sich einfach an den Spitzenreiter und Titelverteidiger Thomas heran und sparte dadurch Kräfte ein. In allen entscheidenden Momenten der Tour de France war Buchmann da. Und er weiß, dass das für die Gesamtwertung wichtig ist. Da spielt es keine Rolle, ob er eine einzelne Etappe gewinnt, oder nicht.

Am Ruhetag spricht Buchmann doch

Gestern war Ruhetag bei der Tour de France. Die Presse nutzte den Moment, um mit dem scheuen Buchmann zu sprechen. „Ich muss keine verrückten Dinge tun, ich muss auch nicht selber angreifen, um diese Platzierung zu erzielen“, sagte der 26-jährige Kapitän des Teams Bora über seine bisherige Leistung im Rennen. Und das stimmt. Die verrückten Dinge erledigen andere in der Mannschaft. Der Slowene und Sprintprofi Peter Sagan ist ein selbstbewusster Zuarbeiter für Buchmann. Der demonstrative und laute Sagan und der stille und zurückhaltende Buchmann sind zwar ein seltsames, aber erfolgreiches Team. Sie ergänzen sich und arbeiten reibungslos zusammen.

Am Donnerstag beginnen die schweren Bergetappen in den Pyrenäen. Buchmann freut sich darauf: „Jetzt geht die Tour für mich richtig los“. Denn wie er am Montag schon zeigte, sind die Berge sein Metier. Das ist für einen deutschen Rennradprofi eher ungewöhnlich. Buchmann macht unter den vielen deutschen Sprintern eben eine Ausnahme.

Angriff auf den Spitzenreiter

Buchmann liegt derzeit auf Platz fünf. Ihm fehlen nur eine Minute und 45 Sekunden, um Spitzenreiter Julian Alaphilippe einzuholen. Unmöglich ist das nicht. Vor allem, wenn man an die kommenden Bergetappen denkt , ist dieser Vorsprung wirklich nichts. Buchmann will aber nicht an Sieg denken und keine Euphorie zeigen. Den Traum vom Gesamtsieg träumt er lieber nicht, jedenfalls nicht öffentlich. Er gibt sich lieber zurückhaltend vor der Presse. Das ist auch richtig so. Denn auf dem deutschen Radsport liegt noch immer ein Schatten. Der letzte Deutsche, der bei der Tour de France erfolgreich war, hieß Andreas Klöden. Auch er lag auf dem fünften Platz. Doch dann sorgte er mit seinem Team Telekom für nationale Betroffenheit. Denn Klöden war mit anderen Fahrern zusammen in einen schwerwiegenden Doping-Skandal verwickelt. „Ich will auf keinen Fall verglichen werden. Ich fahre meine eigenen Rennen“, sagte Buchmann im Interview.

Trotz seiner exzellenten Leistung, befindet sich Buchmann weiterhin nicht in der Liste der Topfavoriten. Die möglichen Gesamtsieger bei der Tour heißen Geraint Thomas und Egan Bernal. Den Deutschen behält keiner im Auge. Aber das ist genau richtig. Denn dadurch kann Emanuel Buchmann still und heimlich, Schritt für Schritt weiter nach oben klettern. Ganz unbemerkt.