Doping-Skandal weitet sich aus

Der Dopingskandal der Ski-WM weitet sich aus. Angeblich sind auch deutsche Athleten und Skifahrer betroffen. Zudem sorgt ein Internetvideo für Ärgernis.

Seefeld: Die estnischen Skilangläufer Nordic Karel Tammjärv und Andreas Veerpalu wurden freigelassen.

Peter Schröcksnadel, der seit fast 30 Jahren Präsident des österreichischen Skiverbands ÖSV ist, hat angeblich Informationen, dass deutsche Skisportler ebenfalls in den Dopingskandal verwickelt seien. Seit knapp zwei Tagen wettert der Präsident nun schon herum. Am Mittwochabend, nach den Festnahmen, hatte Schröcksnadel bereits mehrfach erwähnt, dass er gehört habe, dass deutsche Athleten sowie weitere deutsche Ärzte involviert seien.

Die fünf festgenommenen Skisportler, darunter zwei Österreicher, wurden mittlerweile wieder freigelassen. Ein Grund mehr für den Verbandspräsidenten, die österreichischen Sportler als Opfer statt als Täter anzusehen. Gegenüber dem MDR wiederholte der 77-Jährige gestern noch einmal seine Aussage.

Dopingzentrale in Deutschland?

Der österreichische Präsident ist den heimischen Medien gegenüber noch extremer in seinen Aussagen: „In Deutschland ist die Zentrale, aber auf die Österreicher wird mit dem Finger gezeigt. Die WM ist ja ein guter Aufhänger dafür. Dabei war die Dopingzentrale im Ausland und die Straftäter befinden sich auch woanders.“

Die Antwort aus Deutschland kam vom Präsidenten Alfons Hörmann des DOSB. Er nahm zu den Attacken Stellung und verkündete: „Zu dem festgenommenen Sportarzt aus Erfurt gibt es keine Beziehung. Weder auf der Nachwuchsebene noch auf der Topebene oder im Olympiakader. Das ist jedenfalls der derzeitige Stand.“ Trotzdem, die deutschen Sportfunktionäre haben Angst, dass die aktuellen Festnahmen nur die Spitze des Eisbergs sind und weitere Enthüllungen anstehen. Immerhin wurden bei der Razzia in Erfurt über 40 verschiedene Blutbeutel gefunden. Zudem fanden die Ermittler eine Zentrifuge. Dieter Csefan vom BKA in Österreich verkündete auf der Pressekonferenz, dass dies der Anfang des Dopingskandals sei und weitere Athleten, auch anderer Sportarten, im Verdacht stehen würden.

Da die Welt-Anti-Doping-Agentur über unzählige Blutprofile verfügt, wird es nicht schwer sein, die mit Blut gefüllten Beutel, die in Erfurt gefunden wurden, den entsprechenden Personen zuzuordnen. Dopingexperten haben keine Zweifel, dass deutsche Sportler darunter sind. Das bisher nur österreichische Skifahrer verhaftet wurden, läge an den härteren Gesetzen in Österreich. Dort droht den Betroffenen eine Gefängnisstrafe. In Deutschland ist die Gesetzeslage lockerer. Das eingeführte Anti-Doping-Gesetz ändert daran nichts. Beschuldigte Personen dürfen vor Gericht schweigen. Und wenn keiner aussagt, kommt es zu keiner Verurteilung.

Deutscher Arzt in Untersuchungshaft

Der Sportarzt aus Erfurt sitzt in der Untersuchungshaft in München. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Gefängnis, wenn ihm das Delikt nachgewiesen werden kann. Seine Anwälte wollen mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

Derweil sorgt ein Internetvideo für Furore. Denn die Festnahme des österreichischen Skilangläufers, der auf frischer Tat ertappt wurde, ist von einem Polizeibeamten gefilmt und ins Internet gestellt worden. Der Athlet hat in dem Video noch die Nadel im Arm, als die Ermittler durch die Tür hereinkommen. Dem Polizisten drohen nun strafrechtliche Konsequenzen.

Was die festgenommenen Athleten betrifft, so haben die beiden österreichischen Langläufer sowie der Kasachstaner das Eigenblutdoping gestanden. Sie sind mittlerweile auf freiem Fuß, da sie umfangreiche Angaben gemacht haben. Am Freitag wurden auch die estnischen Langläufer freigelassen. Einer von ihnen sagte aus, zum Doping mehrmals nach Deutschland gereist zu sein. Die freigelassenen Sportler wurden vom Weltskiverband vorläufig gesperrt.