EM-Qualifikation: Kosovo bisher ungeschlagen

Während die deutsche Mannschaft sich schwer tut und mit viel Mühe Nordirland besiegt hat, steht der Kosovo vor einem großen sportlichen Erfolg. Bisher ist das Team in der Qualifikation ungeschlagen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auch auf das Land.

Trainer Challandes hat seine Mannschaft im Griff.

Der Kosovo ist seit 15 Länderspielen, davon 4 EU-Qualifikationsspielen ungeschlagen. Zuletzt gewann das Team gegen Tschechien mit 2:1. Nächste Woche trifft die Mannschaft aus Kosovo auf Favorit England. „Wir freuen uns seit der Auslosung auf dieses Spiel. Das sind die größten Fußballer unserer Geschichte“, sagt der Trainer Bernard Challandes. Er stammt aus der Schweiz und ist seit März 2018 Coach des Teams. Der 68-Jährige hat eine lange Fußballkarriere hinter sich. Unter anderem war er Nationaltrainer der Schweizer U-21 Mannschaft und des FC Zürich. Er hat ein Händchen dafür, unbekannte Mannschaften zum Erfolg zu führen. So schaffte er es unter anderem die Waadtländer von der 1. Liga in die Nationalliga 1 zu bringen.

Verrücktheit gegen England

Auch wenn der Kosovo gegen England die Außenseiterrolle einnimmt, unmöglich ist es nicht, gegen die Briten zu gewinnen. Verrückt genug ist die Mannschaft. Es stimmt, England ist extrem stark in der Offensive und in den letzten drei Partien erzielte das Team ganze 14 Tore. Kosovo dagegen hat Probleme mit der Abwehr. Das räumte auch Trainer Challandes ein. Aber sein Plan ist, von einem defensiven Spiel abzurücken und stattdessen Vollgas zu geben: „Ein Defensivspiel ist auch nicht meine Intention als Coach. Wir werden deshalb das pure Gegenteil zeigen, viel Leidenschaft und ein bisschen Verrücktheit an den Tag legen“, so Coach Bernard Challandes.

Kosovo junges UEFA Mitglied

Der Kosovo ist seit 10 Jahren ein unabhängiger Staat. Und seit knapp drei Jahren ist das Land ein Mitglied der UEFA. Das heißt, die Mannschaft ist ein Frischling, was offizielle Länderspiele angeht. Das erste internationale Match wurde 2016 gegen die Färöer ausgetragen. Zahlreiche Fans feierten damals das 2:0 des Kosovo. Danach ging es für einige Zeit Bergab. An die neue sportliche Unabhängigkeit musste man sich erst gewöhnen. Die Mannschaft holte bei der letzten WM-Qualifikation nur einen Punkt in 10 Spielen. Trainer Challandes gab aber nicht auf. Jetzt hat seine Nationalmannschaft beste Chancen, ein Ticket für die Europameisterschaft 2020 zu lösen.

In der Nations League bereits in den Playoffs

In der Nations League gelang dem Kosovo der Gruppensieg in der Liga D. Damit sicherte sich das Team bereits die Teilnahme an den Playoffs, die im März 2020 stattfinden. Dann wird zwischen vier Mannschaften ein Team ermittelt, dass an der EURO 2020 teilnehmen darf. Die Gegner des Kosovo stehen bereits fest: Georgien, Nordmazedonien sowie Weißrussland. Gewinnt der Kosovo die Spiele, wäre es qualifiziert.

Bei der aktuell laufenden EM-Qualifikation erzielte der Kosovo in der Gruppe A bisher zwei Unentschieden und zwei Siege in vier Spielen. Nach dem Hinspiel gegen England kommenden Dienstag muss das Team noch zuhause gegen Montenegro spielen, dann eine Partie gegen Tschechien bestreiten und im Anschluss das Rückspiel gegen England meistern. In der Gruppentabelle liegt Kosovo mit acht Punkten hinter Favorit England, die neun Punkte haben. Tschechien liegt auf Platz 3 und hat sechs Punkte. Wenn der Kosovo gegen Montenegro gewinnt, könnte das bereits für eine direkte Qualifikation ausreichen. Sicherer wäre es, auch noch gegen England oder Tschechien zu gewinnen, aber die Chancen, sich direkt über die Gruppe zu qualifizieren, stehen gut. Wenn das nicht klappt, bleiben noch die Playoffs.

Sportlich läuft es gut, politisch nicht so gut

Kosovo erhält damit die notwendige sportliche Aufmerksamkeit. Doch politisch sieht es nicht so rosig aus. Bisher haben einige EU-Länder die Unabhängigkeit des Kosovo nicht akzeptiert. Bei der EURO 2020 kann das problematisch werden. Denn diese findet in 12 Ländern statt. Unter anderem sehen Russland, Spanien, Aserbaidschan und Rumänien den Kosovo nicht als Staat an. Aserbaidschan kündigte als einziges dieser vier Länder an, den Kosovo ohne Einschränkungen zu empfangen.

Spaniens Ablehnung ist größer. Letztes Jahr durften Kämpfer aus Kosovo bei der Karate-WM 2018 keine Kleidung mit dem Wort Kosovo tragen. Das Spiel der U17-Nationalmannschaft zwischen Spanien und Kosovo wurde auf neutrales Terrain verlegt. Denn der spanische Fußballverband weigerte sich, die kosovarische Hymne zu spielen und deren Landesflagge zu zeigen. Der Kosovo bleibt optimistisch: „Der Erfolg unseres Teams wird garantiert die Anerkennung unseres Staates in diesen Ländern beeinflussen“, sagte der Generalsekretär des kosovarischen Fußballverbands Eroll Salihu.