Ex-DFB-Chef Zwanziger wehrt sich gegen Anklage

Theo Zwanziger möchte vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte treten, um sich gegen die Anklage zu wehren, die gegen ihn aufgrund der Sommermärchen-WM erhoben wurde. Der ehemalige DFB-Chef wird allerdings wenige Chancen haben.

Ex-DFB-Chefs Niersbach und Zwanziger

WM-Skandal: Ex-DFB-Chefs Zwanziger und Niersbach angeklagt

Der Grundsatz der Fairness – das ist Theo Zwanzigers Klagegrund. Angeblich sei die Fairness in den Verfahren in der Schweiz und Frankfurt nicht eingehalten worden. Der ehemalige DFB-Chef sagte am Dienstag: „Das rechtliche Gehör sei ein Grundrecht.“ Rechtsexperten glauben nicht daran, dass Zwanzigers Klage eine Chance hat. Jeder Bürger hat zwar das Recht, vor den Europäischen Gerichtshof in Straßburg zu treten. Doch dass Deutschland gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstoßen hat, kann in diesem Moment noch nicht beurteilt werden. Denn das Recht auf ein faires Verfahren wird verletzt, wenn nicht alle Rechtsmittel ausgeschöpft wurden. Allerdings kam es im Fall Zwanziger bisher erst zur Anklage.

Zwanziger ist einer der Angeklagten in der Sommermärchen Affäre. Neben ihm wurden auch die ehemaligen Fußballfunktionäre Wolfgang Niersbach, Urs Linsi sowie Horst R. Schmidt in einem Steuerverfahren vor dem Oberlandgericht Frankfurt angeklagt. Parallel dazu läuft das gleiche Verfahren bei der Schweizer Bundesanwaltschaft. Die Ex-Funktionäre weisen sämtliche Anschuldigungen zurück.

Steuerhinterziehung ist der Vorwurf

Die Schweizer Bundesanwaltschaft und das Oberlandgericht Frankfurt klagen wegen Betrug und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Fußball-WM-Vergabe 2006 nach Deutschland. Es soll um 6,7 Millionen Euro gehen, die 2005 vom deutschen Organisationskomitee der Weltmeisterschaft über die FIFA an den ehemaligen adidas-Boss Louis-Dreyfus geflossen sind. Diese Summe war drei Jahre davor als Vorleistung von Franz Beckenbauer sowie Louis-Dreyfus an den damaligen Funktionär der FIFA, Mohamed bin Hammam geflossen. Für diese Überweisung gaben die WM-Organisatoren als Verwendungszweck ein geplantes WM-Kulturprogramm an, das niemals stattfand.

Zwanziger behauptet Verfahren seit nicht rechtens

Zwanziger will sich retten. Er behauptet, dass die Abtrennung des Verfahrens nicht rechtens sei. Die Schweizer Ermittler hatten den ehemaligen WM-Komiteechef Franz Beckenbauer vom Verfahren abgetrennt, weil dieser unter einem schlechten Gesundheitszustand leidet. Die Ärzte Beckenbauers attestieren das. Laut Schweizer Bundesanwaltschaft ist weder seine Teilnahme noch seine Einvernahme vor dem Bundestrafgericht möglich. Die Hauptverhandlung findet daher ohne ihn statt. Nach Einschätzung von Experten ist ein Verfahren ohne den Hauptangeklagten Beckenbauer sinnlos. Internen Informationen zufolge, soll die Abtrennung des Verfahrens für die restlichen Angeklagten einen nicht revidierbaren rechtlichen Nachteil haben. Zwanziger wirft den Behörden vor, die Argumente der Verteidigung bei der Klagezulassung nicht berücksichtigt zu haben.

Außergerichtliche Einigung mit DFB

Zwanziger und der DFB wollten sich nicht zu einer mutmaßlichen außergerichtlichen Einigung äußern, die erfolgte. Es geht dabei um Auseinandersetzungen aufgrund ehrabschneidender Äußerungen zur Rolle Zwanzigers, die von DFB-Funktionären gemacht wurden, um die WM-Affäre aufzudecken. Schadensersatzansprüche will der 74-jährige Zwanziger allerdings nicht weiter stellen. Informationen zufolge zahlte der DFB dem ehemaligen Präsidenten bereits einen Schadensersatz rund 13.000 Euro.

Fünf Jahre Haft drohen

Ende August ließ das Oberlandgericht in Frankfurt die Anklage wegen Steuerhinterziehung im zweiten Anlauf zu. Angeklagt sind Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger sowie Horst R. Schmidt. Der Schweizer Urs Linsi muss sich ebenfalls vor Gericht verantworten. Laut dem Gericht liegt mittlerweile ein hinreichender Tatverdacht vor. Die vier Angeklagten haben eine Steuerhinterziehung bzw. Beihilfe zur Steuerhinterziehung begangen, so die Pressemitteilung. Nach Prüfung der Aktenlage ist demnach eine Verurteilung wahrscheinlich. Laut OLG drohen den Angeklagten bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafen.